Ferner Stern, helles Licht

Am 30. März 2022 wurde die Entdeckung eines Sterns gemeldet, der nach aktuellem Wissensstand am weitesten von der Erde entfernt ist (es wären heute 28 Milliarden Lichtjahre) und der sein Licht bereits 900 Millionen Jahre nach dem Urknall ins Weltall gesendet hat (der bisherige Rekordhalter existierte erst, als das Universum schon ca. vier Milliarden Jahre alt war). Zu meinem Entzücken gab man ihm den Namen Earendel – und darin zeigt sich für mich eine geradezu magische Poesie. Um zu erklären, warum mich das so begeistert, muß ich ein wenig ausholen:

Earendel ist altenglisch für „Morgenstern“ oder „aufgehendes Licht“, zugleich aber auch die Bezeichnung eines Engels. Niemand Geringerer als J. R. R. Tolkien stieß während seiner Studienzeit im angelsächsischen Werk Christ des Dichters Cynewulf aus dem frühen 9. Jahrhundert auf diese zwei Zeilen, die ihn geradezu elektrisierten:

Später beschrieb er die Wirkung dieser Zeilen dahingehend, daß er sich „auf seltsame Weise beflügelt [fühlte], als ob sich in mir etwas geregt habe, halb aus dem Schlaf erweckt. Da steckte etwas ungeheuer Fernes, Wundersames und Schönes hinter diesen Worten, […] weit jenseits des alten Englisch.“ In Folge wollte er herausfinden, was es damit auf sich hatte – und enthüllte mit der Mythologie um Mittelerde die komplexeste Innenansicht des Imaginablen, die wir besitzen. Mit anderen Worten: Es war ein Engel, der Professor Tolkien zu seiner unnachahmlichen Schöpfung inspirierte.

Schließlich taucht er auch in Tolkiens Silmarillion auf, unter dem Namen Earendil. Am Ende des Ersten Zeitalters (für Tolkien-Nerds: Das sind über 48.500 Jahre nach der Erschaffung der Welt) entkommt er mit einem der Silmaril (geheiligte Juwelen, die das ungetrübte Licht der zwei Bäume enthielten, die älter sind als Sonne und Mond) dem aussichtslosen Kampf gegen Morgoth und segelt mit seinem Schiff nach Westen, wo es ihm als Erstem gelingt, die unsterblichen Lande zu betreten und wo er Fürsprache für die Bewohner Mittelerdes hält. Die Rückkehr dorthin ist ihm aber verwehrt. Mit seinem Schiff und dem Silmaril auf der Stirn wird Earendil an den Himmel erhoben, wo er seither als Morgen- und Abendstern erscheint, als gleißend helles Zeichen der Hoffnung. Entsprechend ruft das Stoßgebet Aiya Earendil elenion ancalima (Heil Earendil, hellster aller Sterne) bei den Feinden der Freien Völker Angst und Schrecken hervor und stärkt die Herzen von Elben und Menschen.

Aiya Earendil elenion ancalima

Dieses Gebet habe ich vor etwas mehr als einem Jahr in einem äußerst intensiven Ritual gesprochen – für alle Wesen, im Namen aller Wesen. Und zwar nachdem sich mir in einer Vision ein gleißend heller Stern offenbart hatte, der in der größten Dunkelheit erscheint und ich den Engel Earendel invoziert hatte. Es ist schwer in Worte zu fassen, was mir dieser Moment bedeutet. Wie kann man über das Heilige sprechen, ohne es zu entwerten?

Vielleicht mit Hilfe von Metaphern und Geschichten. Und der Magie, die in jedem Namen steckt. Daß ausgerechnet in dieser Zeit, die vielen gerade so aussichtslos erscheint, ein neuer Stern auftaucht, den man nach der personifizierten Hoffnung benennt, verursacht mir eine Gänsehaut. Ich finde, die Forscher hätten keine passendere Bezeichnung wählen können. Und ich nehme es als verheißungsvolles Vorzeichen der Götter für die bevorstehende Zeit.

Ich möchte lernen, die Magie der Geschichten einzusetzen!

Entsprechend tut sich auch viel Neues in der Magieschule: Große Dinge bahnen sich an. Davon berichte ich dir das nächste Mal!


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