Kapitän > Coaching > Poly-Glossar

In jedem Fachbereich bilden sich über kurz oder lang eigene Begriffe heraus, um die spezifischen Details dieser Richtung exakter zu benennen und die Kommunikation zu erleichtern. Bei Polyamorie ist das nicht anders. Hier ein kleiner Überblick über gängige Ausdrücke aus der Poly-Szene, über die man vielleicht auch in Artikeln und Gesprächen stolpert (ein umfassenderes Glossar in englischer Sprache findet sich hier; vgl. auch die Map of Nonmonogamy). Mir ist bewußt, daß einige davon noch nicht fest etabliert sind und daß man bei der ganzen Sache auch trefflich Haare spalten kann … diese Liste ist daher sowohl als erste Orientierungshilfe als auch als augenzwinkernde Annäherung gedacht. Über Hinweise und Ergänzungen freue ich mich!

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The Diversity of Love Relationship Concepts © by Kirstin Rohwer · Klick für größere Darstellung!

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B

  • Betrügen: Jede Handlung innerhalb einer Beziehung, die deren Regeln oder Übereinkünfte mißachtet.
  • Beziehungsanarchie: Die Praxis, in der Menschen frei sind, jede Beziehung(sform) einzugehen, die sie wählen, und in der Spontaneität und Freiheit einen hohen Stellenwert haben. Beziehungen werden selten weder aus einem Gefühl der Verpflichtung heraus eingegangen, noch verboten. Beziehungsanarchisten unterscheiden meist nicht klar zwischen „Partner“ und „Nicht-Partner“.
  • Bipoly: Jemand, der bisexuell und polyamor ist.

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C

  • „Child in the Candyshop“-Syndrom: Verhalten, das jemand an den Tag legen kann, wenn er sich für Polyamorie öffnet: Sich (und oft auch andere) mit den sich plötzlich auftuenden sexuellen und romantischen Möglichkeiten emotional und logistisch überfordern. Jemand, der dieses Verhalten dauerhaft zeigt, wird manchmal abwertend als NRE-Junkie bezeichnet.

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D

  • Don’t ask, don’t tell: Die Praxis, einem Menschen zusätzliche sexuelle und romantische Beziehungen unter der Bedingung zu erlauben, dass sein Partner nichts davon erfährt und die beteiligten Personen nie trifft.

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E

 

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F

  • Freie Liebe: Die (früher typischerweise in einigen Kommunen verbreitete) Annahme, dass sexuelle Beziehungen losgelöst und ungehindert von Liebe, Verbindlichkeiten und Ehe stattfinden sollen.
  • Freunde mit gewissen Vorzügen, Freundschaft plus (engl. friends with benefits, fuckbuddy): Eine Beziehung, in der zwei oder mehr Menschen eine Freundschaft begründen, die sexuelle Aktivitäten miteinbezieht, jedoch typischerweise ohne denselben Grad an emotionaler Tiefe und Verbindlichkeit einer romantischen Beziehung.
  • Fülle (engl. abundance): Die Grundannahme, daß mehr als genug Liebe für alle da ist und sie deshalb nicht quantitativ aufgeteilt werden muß.

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G

  • Geschlossene Beziehung (auch: Exklusive Beziehung): Jede romantische Beziehung (wie konventionelle monogame Beziehungen oder Polyfidelity), die ausdrücklich die Möglichkeit von sexuellen oder romantischen Beziehungen mit anderen ausschliessen.
  • Gspusi: Liebschaft (von italienisch sposa, sposo = Braut, Bräutigam). Die charmant-unbeschwerte österreichische Variante von friends with benefits, mit der Option auf ein wenig mehr … Sprachl. Verwendung: Ein Gspusi mit jemandem haben; jemandes Gspusi sein.

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H

  • Heteroflexibel: Grundsätzlich sowohl emotional als auch körperlich vom anderen Geschlecht sexuell angezogen, jedoch offen für gelegentliche sexuelle Interaktionen mit dem eigenen Geschlecht. Unterscheidet sich von Bisexualität insofern, daß dort Anziehung für beide Geschlechter in mehr oder weniger gleichem Maße empfunden wird.
  • Heteronormativ: Annahmen und übernommene soziale Rollen, welche die Idee heterosexueller Beziehungen als Norm vertreten und das biologische Geschlecht, Gender-Identität und Gender-Rollen gleichsetzen.
  • Hierarchische polyamore Beziehungskonstellationen: Ein Arrangement, in der eine Beziehung den Abmachungen zwischen den Partnern einer anderen Beziehung unterliegt. Diese umfassen oft auch Restriktionen in Bezug auf Aktivitäten, Verpflichtungen, Verbindungen, Zeit oder Gefühle. Man spricht von Primär-, Sekundär-, Tertiär-Beziehungen usw. mit den typischerweise die Regeln bestimmenden „Hauptpartnern“ und „Nebenpartnern“ mit weniger „Rechten und Pflichten“.
  • Homoflexibel: Grundsätzlich sowohl emotional als auch körperlich vom eigenen Geschlecht sexuell angezogen, jedoch offen für gelegentliche sexuelle Interaktionen mit dem anderen Geschlecht. Unterscheidet sich von Bisexualität insofern, daß dort Anziehung für beide Geschlechter in mehr oder weniger gleichem Maße empfunden wird.

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I

 

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J

 

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K

 

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L

  • Lebenspartner: Ein Partner (üblicherweise in einem romantischen und / oder sexuellen Sinn), mit dem man eine langfristige und eng verbundene, verbindliche Beziehung anstrebt.

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M

  • Metamour: Der andere Partner seines Partners, mit dem man nicht eine direkte sexuelle oder romantische Beziehung hat.
  • Mitfreude (engl. compersion oder frubble, frubbly): Das Gefühl von Freude, das man erlebt, wenn der Partner Vergnügen in einer anderen romantischen oder sexuellen Beziehung findet. Wird oft als das Gegenteil von Eifersucht angesehen.
  • Monogamie: Die Praxis, nur eine sexuelle oder romantische Beziehung zur gleichen Zeit zu haben. In der heutigen westlichen Gesellschaft als serielle Monogamie das am häufigsten anzutreffende (und selten hinterfragte) Beziehungsmodell.
  • Mono/Poly: Die Beziehung zwischen jemanden, der polyamor lebt und jemandem, der monogam lebt, die Polyamorie seines Partners aber akzeptiert.

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N

  • New Monogamy: Die Praxis der Vereinbarung eines Paares, sich (zeitlich meist begrenzte) Flirts und sexuelle Abenteuer außerhalb der Beziehung mit sehr klar definierten Regeln zu erlauben. „Sanktionierter Seitensprung“, „politisch korrektes Fremdgehen“, „Polyamorie light“.
  • NRE (New Relationship Energy): Ein starkes Gefühl der Aufregung und der Verliebtheit, das üblicherweise zu Beginn einer neuen romantischen Beziehung auftritt und von einigen Wochen bis zu mehreren Jahren andauern kann.

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O

  • Offene Beziehung: Jede Beziehung, die nicht sexuell monogam ist. Im engeren Sinne eine Beziehung, die sexuelle Kontakte außerhalb der Beziehung erlaubt, jedoch ohne die Einbeziehung von Romantik oder Liebe.

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P - Q

  • Poly: 1. Etwas, das mit Polyamorie zu tun hat: eine Poly-Beziehung, ein Poly-Mensch, ein Poly-Stammtisch, etc. 2. jemand, der polyamor lebt: ein „Poly“.
  • Polyamorie (engl. Polyamory): Das konkrete Infragestellen der konventionellen Sichtweise, dass eine monogame Zweierbeziehung die einzig erstrebenswerte oder mögliche Form des Zusammenlebens darstellt – und zwar in Form der Möglichkeit, langfristig tiefgehende Liebesbeziehungen mit mehr als einem Partner zur selben Zeit führen zu können, im vollen Wissen und der Zustimmung aller Beteiligten.
  • Polydar: Analog zum Gaydar die intuitive Fähigkeit, andere Polys zu erkennen.
  • Polyfidelity: Eine Gruppe von Menschen, die romantisch oder sexuell miteinander zu tun haben, deren Vereinbarungen ihnen aber nicht erlauben, außerhalb dieser Gruppe weitere Partner zu suchen, zumindest nicht ohne die Zustimmung jedes anderen innerhalb der Gruppe.
  • Polygamie: Die Praxis, mit mehreren Menschen zur gleichen Zeit verheiratet zu sein. In Gesellschaften, die dies juristisch erlauben, ist die bekannteste Form davon Polygynie (ein Mann mit mehreren Ehefrauen); die weniger verbreitete Form ist Polyandrie (eine Frau mit mehreren Ehemännern).
  • Polykül:Ein romantisches Netzwerk oder eine spezielle Teilmenge von Beziehungen innerhalb eines solchen, deren Mitglieder stark miteinander verbunden sind. Wird auch benutzt, um die Zeichnung oder Veranschaulichung eines romantischen Netzwerks zu bezeichnen, da diese schnell den grafischen Darstellungen von Molekülen ähneln.
  • Polynormativität:Von den Medien häufig präsentierte und von einigen Polys unhinterfragt übernommene Normvorstellungen darüber, wie Polyamorie gelebt wird, z. B. die Sichtweise der Polyamorie als erweiterte, heterosexuelle Form der Monogamie mit Haupt- und Nebenpartnern. Kann zu hierarchischen Beziehungen führen. Vgl. http://www.polyamory.ch/doc/texte:das_problem_mit_der_polynormativitaet
  • Quad: Eine polyamore Beziehung von vier Menschen, die untereinander sexuelle und romantische Beziehungen pflegen. Beginnt meist mit zwei Paaren. Quads können Teil eines größeren romantischen Netzwerks sein.

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R

  • Romantisches Netzwerk: Die Summe der Partner eines Menschen, plus deren Partner und so weiter. Beschreibt üblicherweise ein offenes Netzwerk und enthält kleinere „Moleküle“ wie VsTriaden oder Quads.

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S

  • Sapiosexuell: Sich von Intelligenz und Bildung eines Menschen sexuell angezogen fühlen.
  • Sex: Mit jemandem auf erotische oder stimulierende Weise intim sein (vgl. diesen Webcomic von Erika Moen: What Is Sex?).
  • Swingen: Die Praxis von Paaren, mehrere sexuelle Partner außerhalb einer romantischen Beziehung zu haben, meist in organisierter Form (Swingerclubs). Der Fokus liegt dabei üblicherweise primär auf sexuellen denn auf romantischen oder emotional intimen Aktivitäten.
  • Swolly: Jemand, swingt und polyamor ist.

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T

  • Treue: Im konventionellen Sinn eine „negative Treue“ im Sinn eines sexuellen Verbietsrechts. Im polyamoren und generell nichtmonogamen Sinn eine „positive Treue“ im Sinn der Loyalität zu einem oder mehreren Menschen.
  • Triade (auch Mènage á trois, „Throuple“, von engl. „three“ und „couple“ oder „Trouple“, von engl. „triple“ und „couple“): Eine polyamore Beziehung von drei Menschen, die untereinander sexuelle und romantische Beziehungen pflegen. Triaden können Teil eines größeren romantischen Netzwerks sein.
  • Trigger: Ein(e) spezifische(r) Gedanke, Handlung, Anblick oder Situation, der / die eine Emotion auslöst, die üblicherweise mit traumatischen Ereignissen der Vergangenheit verbunden ist und nicht notwendigerweise etwas mit der momentanen Lage zu tun haben muss.

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U

 

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V

  • V: Eine polyamore Beziehung von drei Menschen, in der einer davon romantisch und sexuell mit den beiden anderen verbunden ist, diese aber nicht miteinander. Vs können Teil eines größeren romantischen Netzwerks sein. Derjenige Partner, der sexuelle und romantische Beziehungen zu beiden anderen unterhält, wird auch als Pivot bezeichnet.

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W

  • Wibble, wibbly (engl.): Ein Gefühl von typischerweise kurzfristiger Unsicherheit, das auftaucht, wenn man sieht, wie der Partner Zärtlichkeiten mit jemand anders austauscht. Wird manchmal benutzt, um kleine, rasch wieder vergehende Eifersuchts-Stiche zu beschreiben.

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X - Y

 

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Z

 

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